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IP-Telefonie und DECT

Trotz des riesigen Umbruchs im Bereich voip-basierter Telekommunikation, bei denen Smartphone-Integration und WLAN-Telefonie eine zunehmende Bedeutung erfahren, sind DECT Telefone bzw. Endgeräte nach wie vor gefragt. Was bei ISDN und Analogtelefonie schon gut funktioniert hat, funktioniert auch mit einer VoIP-Telefonanlage hervorragend. Wir zeigen Ihnen, welche Punkte zu beachten sind, um eine qualitativ hochwertige IP-basierte DECT-Telefonie zu realisieren.

Kurzüberblick und Einsatz von DECT Systemen


Was ist DECT?

DECT ist eine Abkürzung für Digital Enhanced Cordless Telecommuncations. Darunter versteht man einen international gebräuchlichen Standard für Telekommunikationsgeräte, die über Funk betrieben werden. Dieser Standard regelt u.a.:

  • Übertragung von Daten über Funk
  • genutzte Frequenzbereiche
  • gesundheitliche Aspekte
  • Sicherheitsrichtlinien (z.B. Verschlüsselung)
  • Kompatibilität zwischen verschiedenen DECT-Geräten

Ein DECT System besteht immer aus einer oder mehreren Basisstationen sowie den dazugehörigen schnurlosen Endgeräten. Die Basisstation ist dabei der stationäre Teil eines oder mehrerer schnurloser Endgeräte wie Schnurlostelefone oder Konferenztelefone. Zweck einer solchen Basisstation ist die Übersetzung der Sprachsignale in Funksignale. In der IP-Telefonie bedeutet dies konkret, dass die digtalen Sprachsignale, die in der Regel als SIP Sprachpakete zur Verfügung stehen, in analoge Funksequenzen umgewandelt werden.

Jede Basisstation verfügt über einen bestimmten Funkbereich, der je nach Herstellermodell eine unterschiedliche Abdeckung aufweisen kann. Einen solchen Funkbereich bezeichnet man im Bereich der DECT-Telefonie als Funkzelle oder DECT-Zelle. Je nach Einsatzzweck können unterschiedliche Typen von Basisstationen eingesetzt werden:

  1. Single-Cell Basisstationen
  2. Multi-Cell Basisstationen (Multizelle)

Eine Single-Cell Basisstation wird meist in kleinere Büros oder Werkstätten verwendet, die nur einen kleinen Funkraum oder nur wenige schnurlose Telefone benötigen. Reicht der Funkbereich einer solchen Basisstation nicht aus, kann dieser meist durch einen DECT-Repeater erweitert werden. Zu beachten ist jedoch, dass solche Repeater in der Regel nicht kaskadierbar sind und nicht unbegrenzt erweitert werden können.

einfache Basisstation mit Mobiltelefon
Eine einfache Single-Cell Basisstation und eine DECT-Mobilteil (hier Gigaset N510 mit S650H IP Pro)

Demgegenüber stehen Multizellen DECT-Systeme, die einen großen Gebäudebereich mit Funksignalen versorgen können. Diese sind vollständig kaskasierbar und erlauben den Aufbau eines DECT-Clusters. Der Vorteil eines solchen Multizellensystems ist, dass alle Gebäudebereiche miteinander verbunden sind und somit ein nahtloses Handover ermöglichen. Als Handover bezeichnet man die Eigenschaft, dass sich Mobilteile zwischen den einzelnen Basisstationen hin- und herbewegen können, ohne, dass das Gespräch abbricht. Bei Single-Cell Basisstationen lässt sich ein Handover lediglich durch die Erweiterung eines Repeaters herstellen. Ein Handover zwischen zwei Single-Cell Basen ist folglich nicht möglich.

Der GAP-Standard

Im Zusammenhang mit DECT wird häufig auch der Begriff GAP erwähnt. Unter GAP (Generic Access Protocoll) versteht man einen Standard, der die Kompatibilität zwischen schnurlosen Telefonen bzw. Endgeräten regelt. In der Praxis bedeutet dies, dass GAP fähige Schnurlostelefone eines Herstellers auch an Basisstationen eines anderen Herstellers angebunden werden können.

Zu beachten ist jedoch, dass sich der GAP-Standard ausschließlich auf die Telefonie selbst bezieht und nicht auf die jeweiligen Komfortfunktionen, die ein Hersteller für seine Geräte verspricht. Ein gutes Beispiel ist die Einbindung eines zentralen und anlagenbezogenen Telefonbuchs. Wird in der IP-Telefonanlage ein LDAP-Telefonbuch eingerichtet, so wird dies nur mit Schnurlostelefonen und Basisstationen desselben Herstellers funktionsbereit sein. Diese Konstellation ist dann zu beachten, wenn Sie beabsichtigen Mobilteile verschiedener Hersteller zu mischen.

Funkabdeckung und Funkreichweite

Bei der Planung eines DECT-Systems ist genau darauf zu achten, wie die einzelnen DECT-Basen aufgestellt werden. Der Aufbau des Systems entscheidet maßgeblich über die Gesprächsqualität und Gesprächsstabilität. Sollen größere Bereiche versorgt werden, sollte immer ein Fachmann zu Rate gezogen werden, der Ihnen beim Aufbau Ihres DECT-Systems zur Seite steht. Es gibt zahlreiche Stellschrauben und Hindernisse zu beachten, die die Investitionskosten und Unterhaltungskosten bei unsachgemäßer Planung in die Höhe treiben können.

Einige nachfolgende Beispiele sollen Ihnen zeigen, was bei der Planung zu berücksichtigen ist:

  • Kalkulation des ungefähren Gesprächsaufkommens
  • Planung der Überlappungsbereiche der einzelnen Funkzellen
  • Verfügbarkeit von Netzwerkzugängen bei IP-Telefonie
  • Berücksichtigung von Hotspots (Bereich mit hohem Gesprächsaufkommen)
  • Berücksichtigung möglicher Störfaktoren
  • verbaute Materialien im Gebäude

Die Gebäudestruktur bzw. die verbauten Materialien sind häufige Gründe, die zu einer mangelhaften Funkdeckung führt. Dies liegt daran, dass Funkstrahlen unterschiedlich stark resorbiert bzw. abgeschirmt werden. Während eine DECT Basisstation im Freien meist eine Abdeckung von 300 Metern hat, reduziert sich die Funkabdeckung beispielsweise durch eine Glaswand um ca. 10 bis 15 Metern.

IP-Telefonie und DECT

DECT-Geräte können problemlos an einer VoIP-Telefonanlage angeschlossen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Cloud Telefonanlage, Hardware Appliance oder Software-Telefonanlage handelt.

Die Basisstation

Das wichtigste Endgerät ist eine IP-DECT Basisstation, die im Grunde als Vermittler zwischen Telefonanlage und DECT-Telefon fungiert. Die Basisstation kommuniziert mit den Schnurlostelefonen über Funk und gleichzeitig mit der Telefonanlage. Die Kommunikation mit der Telefonanlage geschieht bei Voice over IP über das lokale Netzwerk. Die IP-fähige Basisstation verfügt immer über einen Netzwerkport und erhält eine IP-Adresse.

Wird ein laufendes Gespräch von der Telefonanlage an ein schnurloses Mobilteil geleitet, registriert die Basisstation zunächst das Gespräch und nimmt die Sprachpakete über das Netzwerk auf. Im umgekehrten Fall leitet das Mobilteil oder DECT-Endgerät die Informationen für den Rufaufbau (Rufnummer) zunächst an die Basisstation weiter, so dass die Informationen dann an die TK-Anlage weitergegeben werden können.

Je nach Hersteller haben Basisstationen unterschiedliche Eigenschaften bzw. Merkmale, die bei der Anschaffung zu berücksichtigen sind. Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale sind die folgenden:

  • Funkreichweite pro Basisstation
  • Anzahl der anschließbaren Endgeräte bzw. Mobilteile
  • maximale Anzahl der gleichzeitigen Gespräche pro Basisstation
  • Möglichkeit eines Handovers zwischen zwei oder mehr Basisstationen
  • Erweiterbarkeit
  • Konfigurationskomfort

Konfiguration von DECT-Geräten an VoIP-Telefonanlagen

Externe Telefonanlagen verfügen in der Regel über keine eigene DECT Basisstation, weswegen diese immer eigenständig verbaut werden müssen. Die Anmeldung der Schnurlostelefone erfolgt an der Basis selbst. Die meisten Hersteller stellen hierfür webbasierte Konfigurationsoberflächen zur Verfügung, die über eine IP-Adresse im Browser aufgerufen werden können. Die Basisstation selbst beinhaltet auch die Information über den Standort bzw. IP-Adresse der VoIP-Telefonanlage.

In der Telefonanlage werden dann die jeweiligen Nebenstellennummern bzw. Durchwahlbereiche definiert, die für die einzelnen Mobilteile gelten sollen.

Verfügbare Mobiltelefone

Nutzern eines DECT Systems stehen ja nach Hersteller zahlreiche unterschiedliche Mobiltelefone zur Verfügung. Je nach Einsatzzweck werden die folgenden Typen unterschieden:

  • einfache Mobilteile für den normalen Büroeinsatz
  • komfortable Mobilteile für Vieltelefonierer
  • robuste Mobiltelefone für raue Umgebungen (Werkstätten, Lager)
  • desinfektionsmittelbeständige Mobiltelefone (z.B. für Arztpraxen)
  • Spezialtelefone mit Man-Down-Funktion (Totmann-Schaltung)

Hersteller von DECT Telefonen und Basisstationen

Auf dem Markt gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Hersteller. Die Mehrheit der Hersteller hat sich mittlerweile soweit geöffnet, dass deren Basisstationen und DECT Endgeräte an unterschiedlichen Telefonanlagen angeschlossen werden können. Die nachfolgenden Hersteller bieten DECT-Systeme an, die an herstellerunabhängigen Telefonanlagen angeschlossen werden können:

HerstellerDECT SystemEinsatzzweckEndgeräte pro BasisstationBasisstationen maximal
GigasetN510 IP Prokleinere Büros oder Werkstätten61, erweiterbar über Repeater
GigasetN720 IP Promittelgroße Büros oder Lagerhallen bis 100 Mobilteile100 (Multizellensystem)30
PanasonicKX-UDS 124 (SIP-DECT)kleine bis große Büros und Lagerhallen255128
snomM325kleine bis mittelgroße Büros oder Werkstätten201, erweiterbar über Repeater
snomM200kleine Büros61
YealinkW52Pkleine Büros51
YealinkW60Pkleine Büros81, erweiterbar über Repeater

Darüber hinaus gibt es weitere Hersteller wie Ascom, Mitel oder Spectralink, die neben kleineren DECT-Lösungen auch Speziallösungen bereit halten.

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